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04.10.2018

100 % gesammelt – nur zum Teil recycelt ?!?


Viele Teile aus Plastik sollten eigentlich gar nicht im gelben Sack landen.

Recycling sieht je nach Landkreis unterschiedlich aus.

Das Recyceln von Kunststoffen ist nicht immer ganz einfach - oft kommt es auch zum "Downcycling".

Nicht immer sind geschlossene Kreisläufe wie bei PET-Flaschen möglich.

Fragen zum Recyceln in Deinem Ort/Deiner Stadt? Die Abfallwirtschafts-Betriebe sind Deine Ansprechpartner!

Wir Deutschen sehen uns gerne in der „Müll-Vorreiter und –Vorbild Rolle“. Und tatsächlich trennen und recyceln die meisten von uns vorbildlich ihren Müll.

Nach einer Untersuchung von Umweltschützern aber zeigt sich, dass Kunststoff dennoch seltener wiederverwendet wird und werden kann, als wir gemeinhin oft annehmen. Denn beim Recycling von Plastik gibt es speziell mit Kunststoffen einige Probleme.

Nicht jedes Plastik ist recycelbar

Das Erfolgsgeheimnis von Kunststoff, nämlich seine unendliche Wandelbarkeit, macht ihn gleichzeitig zum Sorgenkind, wenn es ums Recycling geht. Es gibt viele unterschiedlichste Plastiksorten – nicht aus allen kann wieder ein Nutzungsgegenstand werden. Ein Beispiel: Flaschen aus PET (Polyethylenterephthalat ) können wieder zu Flaschen werden. Schalen als Verpackung für Obst, ebenfalls aus PET, werden dagegen nicht recycelt. Auch für Alufolien gibt es bisher nur wenige Anlagen und somit werden auch sie häufig nicht recycelt. Leider kommt auch noch folgender Punkt hinzu: Verbrennen ist billiger als wiederverwerten. Von unserem gesamten Plastikmüll in Deutschland wird laut Ministerium rund 45 Prozent „stofflich wiederverwertet“. 2019 tritt ein neues Verpackungsgesetz in Kraft, dass dann die Quote bis 2022 auf 63 % erhöhen soll. 

Guter Look – schlechtes Recyling

Schwarze, schicke Waschmittelflaschen, eingefärbte Shampoo-Flaschen oder von dünn bedruckten Folien umhüllte Kosmetikfläschchen sehen zwar vielleicht gut aus, erschweren damit aber immens deren Recycling oder verhindern es sogar. Die Maschinen in den Recycling-Stationen können das Material so nicht erkennen und sortieren. Deshalb werden ab 2019 schlecht recycelbare Verpackungen deren Herstellern auch mehr Lizenzgebühren kosten. Der Kunde ist König… Da recyceltes Plastik, also Recyclate, nicht strahlend weiß sind, sondern grau, wollen viele Hersteller diese auch nicht für ihre Produkte verwenden – aus Angst, die Käufer*innen würden dies ablehnen. Ob dies wirklich so wäre? Frag Dich doch einfach mal selbst, nach welcher Shampoo-Flasche Du eher greifen würdest. Und ob dies wirklich einen Unterschied beim Produkt selbst machen würde…

Wohin mit dem Strohhalm? Nicht in den gelben Sack.

Gelber Sack oder gelbe Tonne sind gedacht für Plastik aus Verpackungsmüll. Somit geht die Tüte um Deine Plastikstrohhalme in den gelben Sack – der Strohhalm aber eigentlich nicht. Da immerhin 40 % aller Kunststoffe als Verpackungsmaterial produziert, gekauft, gebraucht und weggeworfen werden, ist der Anteil schon mal sehr hoch. Der Rest landet aber dann im Restmüll. Dieser wird in der Regel nicht oder nur sehr vereinzelt nochmal sortiert, sondern landet in der Verbrennung.  

Recycling ist nicht unendlich möglich – und meistens geht´s „bergab“

Ein geschlossener Kreislauf wie bei PET-Flaschen ist nicht bei allen Plastikartikeln möglich. Die Regel ist eher das sogenannte „Downcycling“: Aus einer PET-Flasche wird dann zum Beispiel keine neue Flasche mehr, sondern zum Beispiel Textilfasen, die dann wiederum nicht wiederverwertet werden können. PE und PP Kunststoffe verlieren zudem jedes Mal an Qualität. Irgendwann ist also hier Schluss mit Wiederverwertung.

Ist Recycling also unnötig?

NEIN, auf gar keinen Fall. Wir Deutschen sind nicht nur meisterhaft im Recyceln unseres Mülls, sondern leider auch im Produzieren – etwa 6 Millionen Tonne Plastikmüll fallen bei uns jährlich ungefähr an. Es ist also nur richtig, wenn wir versuchen, zumindest so viel wie bisher möglich davon wieder zu verwenden!Aber die Botschaft ist vermutlich jedem klar:  Vor dem korrekten Recyceln MUSS in jedem Fall noch die Müllvermeidung an sich für jede*n von uns an oberster Stelle stehen. Denn je weniger Plastikmüll überhaupt erzeugt wird, desto weniger muss recycelt werden. Wenn ihr Fragen zum Recycling in Eurer Gegend habt: Fragt doch einfach mal im Rathaus oder direkt beim für Euch zuständigen Abfall-Entsorgungs-Unternehmen an. Bei uns hier stehen wir in bestem Kontakt zum Abfallwirtschaftszentrum, das gerne organisierte Führungen anbietet und Fragen rund um das Recycling beantwortet.

 

Wie man das hinbekommt, weniger Plastikmüll zu produzieren? Dazu liest Du demnächst mehr in unserem nächsten Artikel!


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