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04.10.2018

Plastik im Meer, im Wal, im Vogel


Vögel verenden durch den Verschluss des Magen-Darm-Trakts durch Plastikteilchen und daraus resultierender Unterernährung.

Nur ein Teil des Plastikmülls treibt tatsächlich auf der Oberfläche. Ein großer Teil befindet sich bereits unter Wasser und auf dem Meeresgrund.

Tatsächlich sind an vielen Orten Touristen für den massenhaften Eintrag von Plastikmüll ins Meer mitverantwortlich.

Auch Schiffstourismus und illegales Entleeren von Müll auf dem Wasser führen zur enormen Verschmutzung der Ozeane.

Doppelt tödlich: Zum einen eine direkte Falle für Wasserlebewesen, zum anderen für Wasserschildkröten oder Fische kaum von begehrter Beute zu unterscheiden:

Qualle oder Tüte im Wasser? Für eine Wasserschildkröte optisch kaum ein Unterschied.

An der Küste von Andalusien verendete 2012 ein Pottwal. In seinem Bauch wurde bei der folgenden Untersuchung folgendes gefunden: 17 Kilo Plastik.

Plastik in der Umwelt hält sich sehr lange, oft mehrere Jahrhunderte. 450 Jahre brauchen eine Plastikflasche oder eine Wegwerfwindel, bis sie sich vollständig zersetzt haben. Der Kunststoff zerfällt in immer kleinere Partikel. Ein Teil des Plastiks landet durch die Strömung an den Stränden. Ein sehr großer Teil aber treibt im Wasser, wird dort in sogenanntes Mikroplastik zersetzt und sinkt langsam auf den Meeresgrund. Laut Forschern schwimmen in einem Quadratkilometer fast eine Million Plastikteilchen. Diese Teilchen sammeln sich an manchen Orten im Meer durch die Strömung an einem Ort an. Der untersuchte Wirbel bekam daraufhin seinen Namen: Great Pacific Garbage Patch (deutsch: Großer pazifischer Müllfleck).

Meerestiere, ob groß oder klein, leiden

Sowohl Meerestiere als auch küstenbewohnende Tiere wie Vögel haben ihre große Not mit dem von uns in die Umwelt „entlassene“ Plastik: "Seevögel fressen für gewöhnlich alles, was sie aus der Luft als potentielle Beute identifizieren", sagt Nils Guse vom Forschungs- und Technologiezentrum Westküste der Universität Kiel. Der Forscher analysierte mit Kolleg*innen den Mageninhalt von an der Nordseeküste verendeten Eissturmvögeln in Deutschland. Zwischen 2007 und 2011 wurden so 238 Tiere genauer untersucht.

Das Ergebenis erschreckt: 96 Prozent der Vögel hatten Plastik in geringen oder größeren Mengen gefressen. "Wie viele Vögel an den Plastikpartikeln letztendlich sterben, wissen wir noch nicht", sagt Guse. Da die Teilchen den Magen-Darm-Trakt blockieren, sind sie in oft unterernährt und sterben im schlimmsten Fall auch daran. Auch auf den Lebensrhythmus der Tiere wie zum Beispiel ihr Brutverhalten scheint das Plastik negative Auswirkungen zu haben. Da der Eissturmvögel nur auf hoher See jagt– im Gegensatz zu Möwen, die auch am Strand nach Nahrung suchen, ist er laut Meeresbiologe Nils Guse ein „guter Indikator, um den Grad der Verschmutzung zu bestimmen". Nach EU-Richtlinie sollen die Vögelmägen im Schnitt nicht mehr als 0,1 Gramm Plastik enthalten. "In unserer aktuellen Untersuchung waren es 0,43 Gramm pro Tier", berichtet Guse. Mehr als die Hälfte der untersuchten Vögel lag damit über dem angestrebten Wert.

Plastiktütenquallen und Mikroplastik-Plankton

Insgesamt leiden 267 verschiedene marine Arten unter dem Plastikmüll im Meer, laut einem Bericht des Umweltprogramms der Vereinten Nationen. Wasserschildkröten verhedern sich in Fischernetzen, Nylonschnüren oder fressen ganze Plastiktüten, weil diese Quallen zum Verwechseln ähnlich sehen. Fische, Garnelen und Kleinslebewesen wie Plankton nehmen die winzige Plastikpartikel auf, die durch die Meere schweben.

Urlaub, Sonne, Umweltgefahren

Badetouristen hinterlassen Müll am Strand. "Die Menschen müssen lernen, ihren Plastikmüll nicht einfach auf den Boden zu werfen, sondern in die Mülleimer", sagt Hugo Tinoco. Der Surfer und Umweltaktivist organisiert regelmäßig Müllsammelaktionen am Strand von Alicante an der Ostküste Spaniens. Neben dem Eintrag von Müll über die Abwässer oder über offene Müllkippen sind auch achtlose Touristen und Badegästen an der Anhäufung von Müll in den Gewässern mit verantwortlich. Dies bestätigt auch das Umweltbundesamt für die deutsche Ostsee: hier sei der Tourismus die primäre Quelle für den Mülleintrag ins Meer.

Eine immer noch unterschätzte Umweltgefahr

Warum nach wie vor das Bewusstsein bei der Bevölkerung selbst innerhalb der EU oftmals so gering ist, ist schwer nachzuvollziehen. Die EU stuft Müll im Meer mittlerweile als Umweltgefahr ein. Eine Sensibilisierung der Menschen ist also auf jeden Fall ein wichtiger, jedoch nur EINER von vielen Schritten, die möglichst noch heute statt morgen erfolgen müssen:

Richtlinien und Gesetze müssen her, um die Natur vor dem Müll zu schützen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


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